Fahrradhochzeit Teil 1 – die Anreise mit dem Fahrrad

Planung und Vorbereitung
Ich fand die Idee gut und habe mir überlegt wie wir unsere Fahrräder nach Wismar bekommen könnten oder ob wir dort welche mieten wollen.
Nachdem ich im Frühjahr mehrfach mit dem Fahrrad nach Lübeck gefahren bin (inkl. Rückweg ca. 40 km), kam mir die Idee mit dem Fahrrad zur Hochzeit zu fahren. Ich habe mir gedacht die 55 km bis nach Wismar bekomme ich auch hin. Aber ich wusste nicht, ob das Kind es auch schaffen würde. Also haben wir recht früh angefangen zu „trainieren“. An den Wochenenden haben wir mehrere Fahrradtouren in die nähere Umgebung gemacht. Dabei haben wir mit Strecken von 10 bis 20 km angefangen.
Generalprobe - Tour nach Boltenhagen
Um sicher zu sein, ob unsere Tour auch wirklich klappt, haben wir an Himmelfahrt eine größere Fahrradtour geplant. Wir sind nach Boltenhagen gefahren, etwas mehr als die Hälfte der Strecke. Auf der Hinfahrt haben wir schon gemerkt, dass es die Strecke ganz schön in sich hatte mit sehr vielen Steigungen, teilweise auch sehr langen und/oder steilen Anstiegen. Einen Teil der Anstiege konnte ich das Kind anschieben. Aber wenn der Anstieg zu steil war, ging das leider nicht mehr und es musste geschoben werden.
Pünktlich zur Mittagszeit sind wir in Boltenhagen angekommen und haben eine ausgiebige Mittagspause gemacht. Danach ging es wieder zurück nach Travemünde. Insgesamt sind wir an dem Tag 65 km gefahren, das war so nicht geplant, aber es gab eine Umleitung auf der Strecke.
Nach diesem Tag wussten wir aber, dass wir die Tour nach Wismar auch hinbekommen würden. Irgendwie war es auch ganz gut, dass wir schon einen Teil des Weges kannten und uns mental schon auf die Anstiege vorbereiten konnten.
Sachen packen
Für den Transport in der Kiste im Lastenfahrrad kommt natürlich kein Koffer oder eine große Reisetasche in Frage. Also habe ich überlegt, welche Taschen ich nehmen könnte. Zwar haben wir mehrere Satteltaschen, aber die lassen sich nicht so gut packen bzw. an die unteren Sachen kommt man leider so schwer ran. Als weiter Option sind mir dann unsere Segeltuchtaschen eingefallen. Die Sporttasche mit den roten Gurten war für das Kind und für mich hatte ich die Strandtasche gepackt. Eine weitere Tasche hatte ich noch für Jacken, Westen und Regenjacken, für alle Eventualitäten, gepackt. In der bunten Kühltasche hatten wir ein paar Snacks und ein paar Lebensmittel für das Frühstück am nächsten Morgen.
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Mein Lastenrad war voll gepackt mit meiner Strandtasche (links) und einer Sporttasche (rechts unten drunter) aus Segeltuch. -
Regenjacken, kleine Kühltasche und etwas Trinken war auch mit dabei.
Segeltuchtaschen
Wenn du für deine nächste Tour oder den nächsten Urlaub auch eine neue Segeltuchtasche suchst, kannst du dich gerne bei mir melden oder dich in meinem Online-Shop umschauen. Nach den Sommerferien wird es auch wieder Online-Workshops geben, in denen du deine eigene Segeltuchtasche nähen kannst.
Reiseroute
Von Travemünde über Boltenhagen nach Wismar -> 55 km mit dem Fahrrad den Ostseeradweg entlang.
Freitag nach der Schule ging es gut gestärkt los. Als erstes ging es mit der Fähre über die Trave auf den Priwall. Nachdem wir die letzten Häuser und Ferienbungalows hinter uns gelassen hatten konnten wir kurz hinter dem Ortsausgang auf einen Fahrradweg einbiegen. Es ging hinter den Dünen immer entlang der Ostsee, mal auf freiem Feld und dann wieder unter Bäumen im Wald entlang. Der Radweg war überwiegend asphaltiert, teilweise gab es auch Abschnitte mit festem Schotter und gepflasterte Abschnitte.Ungefähr ab der Mitte der Strecke nach Boltenhagen haben dann die steileren Berge angefangen. Bei den ganz steilen Anstiegen hat das Kind oft die letzten Meter geschoben. Manchmal konnte ich unterstützend anschieben, aber manchmal brauchte ich meine Kraft bzw. meine zweite Hand auch selbst am Lenker. Ich bin dann meist schon vorgefahren und habe oben gewartet, wir hatten das so vorher vereinbart. Zusammen zu schieben war nicht unbedingt eine Option, da mein Lastenrad sowieso schon durch das ganze Gepäck und das Eigengewicht relativ schwer war. Oben angekommen gab es erstmal eine Trinkpause und meist auch eine kleine Aufmunterung, wie ein Gummibärchen für das Kind.
Für solche kleinen Pausen eignen sich im Abschnitt zwischen Travemünde und Boltenhagen die vielen Sitzgelegenheiten an der Strecke. Auch für eine kleine Pause eignen sich die Aufsteller am Wegesrand mit kleinen Informationen zu den Örtlichkeiten (eher für Erwachsene gedacht). In unregelmäßigen Abständen finden sich auf dieser Strecke auch immer wieder Toilettenhäuschen.
In Boltenhagen hatten wir mit 32 km dann etwas mehr als die Hälfte der Strecke erreicht. Hier hatten wir eine etwas längere Pause geplant und haben ein Softeis gegessen. In Boltenhagen gibt es eine vielfältiges Verpflegungsangebot, so dass hier sicherlich jeder etwas finden würde.
Weiter ging es von Boltenhagen nach Wismar. Hier führt der Weg meist parallel an der Straße entlang. Im ersten Dorf hinter Boltenhagen in Tarnewitz gibt es den steilsten und längsten Anstieg auf der gesamten Strecke. Direkt nach dem Anstieg hat sich das Kind für die „Fahrradumleitung“ entschieden. Das war ein holpriger Weg mit mittigem Grünstreifen zwischen Feldern und Grünstreifen. Irgendwie war dieser Weg ganz lustig, weil es viel Bergab ging und wir nur wenig treten mussten. Dafür wurden wir und die Fahrräder etwas durchgerüttelt. (Auf dem Rückweg sind wir diesen Abschnitt auch an der Straße gefahren, was Bergauf deutlich entspannter war.)
Nachdem wir wieder auf den Hauptweg gefahren sind, haben wir Wohlenberg passiert und sind eine ganze Weile direkt an der Ostsee lang gefahren. Wir hatten erst überlegt eine kleine Badepause zu machen, haben uns dann aber doch dagegen entschieden.
Danach ging es weiter parallel zur L01 entlang. Wer mag kann hier noch dem Ostseeradweg dichter am Meer entlang folgen. Wir haben uns aber für die Abkürzung entschieden. Dann war es auch nicht mehr so weit bis nach Wismar.
Sitzgelegenheiten haben wir nur vereinzelt gesehen. Öffentliche Toiletten sind uns nicht aufgefallen.
PS: Wer sein Akku zwischendurch mal Laden muss, in Boltenhagen gibt es an einigen Fahrradständern z.B. an der Seebrücke eine Ladestation für Fahrräder mit Steckdosen.
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Mit der Fähre ging es rüber auf den Priwall. -
Blick vom Priwall auf die Vorderreihe. -
Blick vom Priwall in Richtung Ostsee.
Umgebung erkunden und Natur erleben
Aber wir haben nicht nur die Ostsee gesehen, sondern sind auch an unterschiedlichen Feldern vorbeigefahren. So konnte ich dem Kind z.B. verschiedene Getreidearten zeigen oder auch Mais und Zuckerrüben. Natürlich sind wir auch an vielen Rapsfeldern vorbeigefahren. Die sind natürlich nicht mehr gelb, sondern sehen jetzt eher struppig und graubeige aus. Während einer Pause haben wir uns dann auch mal die Rapskörner etwas näher angeschaut. Nach genauerer Begutachtung haben wir die Rapskörner auch einmal probiert. Und ich kann euch sagen, dass die kleinen Rapskörner erstaunlich gut schmecken. Könnte ich mir auch gut im Müsli oder so vorstellen.
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Zwischendrin immer wieder ein Blick auf die Ostsee. -
Wir haben viele schöne Wildblumen, wie Kamille, Mohn und Kornblume, am Wegesrand entdeckt. -
Wir sind durch Wälder, an Wiesen und Feldern entlanggefahren.
Motivation hoch halten - Kind bei Laune halten
In Boltenhagen, als wir etwas mehr als die Hälfte geschafft hatten, gab es ein Softeis. Das hatten wir schon vorher vereinbart und das Kind hatte sich schon die ganze Zeit darauf gefreut.
Auf den letzten 10 bis 15 km habe ich gemerkt, dass die Kräfte so langsam schwinden. Da auf dem Radweg nicht so viel los war, konnte ich an den Anstiegen auch immer mal anschieben. Wenn der Weg gut einsehbar war sind wir auch oft nebeneinander gefahren und konnten uns dabei dann auch unterhalten. So konnte ich das Kind dann auch ablenken und auf Sachen am Wegesrand oder auch in der Ferne aufmerksam machen. An interessanten Orten haben wir kurz angehalten und eine Pause gemacht. Ein paar Kilometer vor Wismar sind wir in einem Dorf (Proseken) an einer kleinen Krossstrecke vorbeigekommen. Das musste das Kind natürlich gleich mal ausprobieren und kam lächeln wieder zurück.
Mein ultimativer Geheimtipp bei schwinden Kräften sind Quetchies. Auch wenn das Kind dafür eigentlich zu groß ist, hat es sich darüber richtig gefreut. Ich habe einfach die Quetchies aus der Babyabteilung gekauft und nicht die teuren Sportprodukte.
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Auf der Hinfahrt gab es in Boltenhagen ein Softeis (Vanille-Brombeer). -
Auf der Rückfahrt gab es dann in Wohlenberg ein Softeis (Erdbeer-Joghurt). -
Nach einem steilen Anstieg habe ich oben auf dem Berg gewartet.
Mein Fahrrad bekommt einen besonderen Auftritt
So haben wir am Freitagabend, nachdem wir unsere Ferienwohnung bezogen und alle Sachen ausgeladen hatten, die Fahrräder getauscht. An mein „neues“ Fahrrad musste ich mich erst einmal gewöhnen. Das ist gar nicht so einfach, wenn kurz hinter dem Lenker das Fahrrad schon wieder aufhört. Da habe ich gemerkt, dass ich wirklich viel und gerne mit meinem Lastenfahrrad fahre. Ich musste mich erst einmal kurz an das neue Fahrrad gewöhnen. Aber ein Problem gab es noch: Am nächsten Tag wollte ich einen langen Rock anziehen und der sollte nicht in die Speichen oder die Kette kommen. Das habe ich aber so lösen können, dass ich einen Zipfel vom Rock hochgenommen habe und ihn mit einer Hand am Lenker festgehalten habe.
Am Samstagmorgen wurde mein Lastenfahrrad dann noch mit einer üppigen Blumengirlande rund um den Kasten geschmückt. Hinten am Gepäckträgen wurden noch einige scheppernden Blechdosen befestigt.
Nach der Trauung konnte es sich die Braut dann in der Kiste gemütlich machen und wurde von ihrem Ehemann zur Feier kutschiert. Aber sie sind nicht alleine gefahren. Nein, sie wurden von vielen Gästen auf Fahrrädern durch die Stadt begleitet. Dabei haben wir einen kleinen Umweg durch die Stadt und zum Hafen gemacht. In der gesamten Stadt und am Wegesrand standen viele Einheimisch als auch Touristen und haben dem Brautpaar und dem ganzen Korso zugejubelt. Das war eine richtig tolle Idee vom Brautpaar und auch für uns Gäste ein einmaliges Erlebnis. Ich war richtig froh, dass wir unsere Fahrräder dabei hatten und mitfahren konnten.
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Vor dem Standesamt wartet das geschmückte Fahrrad auf die Braut. Hier hatte es noch geregnet. -
Geschmücktes Lastenrad mit Blumenranke und Blechdosen. Nach der Trauung kam auch die Sonne raus.
Wie geht es weiter?
Fazit
Würde ich es noch einmal machen? Wahrscheinlich ja.
Bin ich froh, dass wir es gemacht haben? Ja, war eine tolle Erfahrung und ein Abenteuer für uns.
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Eine Strecke war ungefähr 55 km lang. Durch die Pausen haben wir aber deutlich länger als die 3:45 Stunden gebraucht.
